Alkoholerkrankung

WAS IST EINE ALKOHOLERKRANKUNG?

Magnus Huss, ein schwedischer Arzt beschrieb 1849 erstmals den Alkoholismus als Erkrankung. 1951 hat die Weltgesundheitsorganisation Alkoholismus als Erkrankung deklariert. Alkohol ist nach Nikotin das weitest verbreitete, gesundheitsgefährdende Suchtmittel. Etwa jeder vierte Österreicher konsumiert Alkohol in einem gesundheitsschädlichen Ausmaß, knapp 4% sind alkoholabhängig. Die kulturelle Verankerung sowie der uneingeschränkte Zugang bringen mit sich, dass Alkoholkonsum, im Gegensatz zu anderen Drogen, breite gesellschaftliche Akzeptanz und Zustimmung findet. Gelegentlicher, geringfügiger Konsum gilt als gesundheitlich unbedenklich. Der, in den letzten Jahren propagierte, gesundheitsfördernde Effekt von Alkohol wird von medizinischen Fachgesellschaften nicht gestützt. Auch wenn das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei 6 Gramm Alkohol pro Tag (150 ml Bier oder 60 ml Wein) reduziert erscheint, wächst gleichzeitig das Risiko für andere Erkrankungen, sodass eine allgemeine Empfehlung nicht ausgesprochen wird.

„Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör!" Der Spruch der Frommen Helene von Wilhelm Busch verdeutlicht die zumindest kurzfristig angenehme, weil entspannend und angstlösend erlebte Wirkung von Alkohol. 

Bei regelmäßigem Konsum verkehrt sich diese Wirkung allerdings ins Gegenteil indem die Erholung im Schlaf abnimmt und das Risiko an einer Depression zu erkranken zunimmt. Die Selbstbehandlung von Ängsten, Spannungszuständen oder depressiven Verstimmungen mit Alkohol führt mittelfristig zu einer Verschlechterung der Beschwerden womit sich der Teufelskreis schließt. Die Bandbreite der Alkoholerkrankung reicht von einem problematischen Konsum bis hin zur Abhängigkeit. Wie bei allen Erkrankungen ist auch hier der Stellenwert einer frühzeitigen Intervention von immenser Bedeutung. Die professionelle und objektive Beurteilung des eigenen Konsumverhaltens ist der erste und oft schwierigste Schritt zu einem letztlich zufriedeneren und gesünderen Leben.

 

ANZEICHEN UND SYMPTOME EINER ALKOHOLERKRANKUNG

Erste Anzeichen eines problematischen Konsums sind oft ritualisierte Trinkgewohnheiten wie das abendliche Gläschen Wein nach einem anstrengenden Tag. Wenn dann immer öfter aus dem Glas eine Flasche wird oder selbst auferlegte Reglementierungen wie „Kein Bier vor Vier“ an Bedeutung gewinnen ist Vorsicht geboten. Erste Symptome einer beginnenden Alkoholerkrankung können sich zeigen.

THERAPIE EINER ALKOHOLERKRANKUNG

Grundlage für therapeutische Interventionen ist die ärztliche Untersuchung, da Alkoholerkrankungen regelhaft zu körperlichen Beeinträchtigungen führen. So müssen Vitaminmängel und Elektrolytverschiebungen ausgeglichen, mögliche Organschäden diagnostiziert und behandelt werden. Eine verlässliche Diagnosestellung ist Grundlage für die Wahl der zur Verfügung stehenden therapeutischen Möglichkeiten. 

Generell gilt es eine Alkoholabhängigkeit zu verhindern und möglichst frühzeitig zu intervenieren auch um einen genussvollen Alkoholkonsum mit einem gesunden Lebensstil zu vereinbaren. Die Möglichkeit kontrolliert Alkohol zu konsumieren ist nämlich bei eingetretener Abhängigkeit nur in Einzelfällen eine Option. Dieser Umstand lässt viele Erkrankte vor dem Schritt zum Arzt zurückschrecken. Beachtet man aber die Vielzahl an individuellen, therapeutischen Hilfestellungen bei dieser hochkomplexen Abhängigkeitserkrankung lohnt die Konsultation eines Spezialisten auf jeden Fall. In erster Linie geht es hier um eine umfassende Aufklärung über die Erkrankung und die Erfassung der ganz persönlichen Lebenssituation. Erst danach werden mit dem Patienten die Behandlungsmöglichkeiten besprochen und gemeinsam ein individueller Therapieplan erstellt. Auftretende Entzugserscheinungen sind bis zum völligen Abklingen sehr gut und sicher mit Medikamenten behandelbar. Weiters ist entscheidend die Sucht-auslösenden und Sucht-erhaltenden Faktoren, wie Depressionen oder Angststörungen zu behandeln um frühzeitige Rückfälle zu verhindern. Gleichzeitig gilt es die besonderen Fähigkeiten und Stärken des Patienten aufzudecken, zu verstärken, und Alternativen für ein alkoholfreies Leben gemeinsam zu entwickeln. Wie bei anderen chronischen Erkrankungen ist ein Rezidiv, also ein Rückfall unerwünscht aber sicher kein Grund den eingeschlagenen Weg aufzugeben.  Mit der Scham und dem Gefühl versagt zu haben gilt es von therapeutischer Seite sorgsam und geduldig umzugehen. Dies gilt in dieser sensiblen Phase auch für Angehörige, weshalb deren Einbeziehung in die laufende Therapie, von Nutzen sein kann.